
Mit dem Laternenfest am 3. März endet das zweiwöchige Frühlingsfest in China. In der Zeit zwischen dem zweiten Neumond und dem dritten Vollmond des Jahres wurde das neue Mondjahr gefeiert. Die Party ist ab sofort vorbei, es muss wieder gebuckelt werden. Schließlich muss das Feuerpferd Galopp aufnehmen. Und es verspricht rasant zu werden. Das Feuerpferd steht für extreme Dynamik, Transformation, Mut und Rebellion. Als Jahr des schnellen Wandels fördert es berufliche Neuanfänge, Risikobereitschaft und Leidenschaft.
Kein Randgruppen-Hokuspokus, nein, sogar der deutsche Bundeskanzler hat vor seiner Abreise nach China darauf hingewiesen, dass es astrologisch der beste Zeitpunkt wäre, um in China aufzuschlagen, da jetzt ein Jahr der Dynamik angebrochen sei. Recht hat er, wie öfters in letzter Zeit, was mich nicht wenig wundert, aber in Zeiten, in denen Verbrecher das Weltgeschehen diktieren, können dann wohl sogar deutsche Konservative glänzen. Zumindest inhaltlich, seine Körperhaltung ist eine Katastrophe. Warum hält der Mann dauernd mit gebücktem Kopf seine Glatze in die Kameras? Was hat der für Berater? Aber womöglich ist sein Auftreten eine Masche, damit man ihn unterschätzt oder Mitleid mit ihm hat.
Körpersprache SECHS, Diplomatie EINS
In China hat seine Masche funktioniert, man hat der Glatze 120 Airbus-Flieger abgekauft. Bravo sage ich da. Xi Jinping war wegen Merz extra früher aus dem Frühlingsurlaub zurückgekehrt. Eine große Geste. Der Kanzler wusste sie zu würdigen. Er hat sich gut geschlagen, die richtigen Hände geschüttelt, Protokolle beachtet, die Roboter bestaunt und sogar behauptet, dass die chinesische Küche seine Lieblingsküche sei. Ja, so geht Diplomatie, Frau Baerbock. Wie ein Elefant im Porzellanladen war unsere ehemalige Außenministerin einst durchs Reich der Mitte gepoltert, hatte gegen so ziemlich jedes diplomatische Protokoll verstoßen, hatte sich in zwei Tagen tatsächlich nicht einmal umgezogen und sich rotzfrech in innenpolitische Belange des Landes eingemischt. Mit Menschenrechtsfragen braucht man in China nicht anzufangen. Das ist zwecklos. Wir werden niemals ideologische Partner werden, das muss man akzeptieren, wenn man mit den Herrschaften Geschäfte machen möchte. Sie werden sich kurz über lang Taiwan schnappen. Das ist natürlich total daneben, aber es geht uns nichts an. Man kann ein Land wie China nicht an unserem Wertesystem messen.

»Arbeiten? Nein, danke!«
Was im Westen gerne als Diktatur und Überwachungsstaat verspottet wird, ist die bestmögliche Regierungsform für das Land. Ohne Druck würde dort alles zusammenbrechen. Allein schon, weil die wenigsten Chinesen eigenständig denken und handeln können. Wenn man in China Sozialhilfe nach deutschem Vorbild einführen würde, würde kaum noch jemand arbeiten gehen. Arbeiten ist für die meisten nur ein notwendiges Übel. Egal in welcher Branche, ich kenne kaum einen Chinesen, der seine Arbeit mag. Ein paar Regisseure vielleicht, aber selbst die müssen ihre Crews einpeitschen, damit sie funktionieren. Und wenn er Feierabend ruft, dann rennen sie so schnell nach Hause, als ob man sie gerade aus einem Gefängnis befreit hätte. Kleiner Plausch unter Kollegen? Feierabendbierchen trinken? Oder auch nur Tschüss sagen? »Fickt euch, nichts wie weg hier!«
Die Kunst, nichts persönlich zu nehmen
Arbeiten in China ist auch für mich nicht immer spaßig. Allein schon, weil sie gerne unnötig Druck aufbauen. Ich sitze zwei Stunden gelangweilt in der Maske und warte auf meinen Einsatzbefehl. Wenn der dann von irgendeinem Assistenten übermittelt wird, ist das oft so, als ob ich in den Krieg ziehen müsste. »Komm, komm, Armin, schnell, schnell, beeil dich…« Es gibt keinen Grund zur Eile, denn am Set warte ich erneut 20 Minuten, bis alles eingeleuchtet ist, aber egal, er hatte Druck von oben bekommen und gibt den 1:1 nach unten weiter.
Auch fangen sie gelegentlich das Feilschen an, nachdem ich bereits am Set stehe. Ich war vier Stunden nach Hangzhou angereist, um für Meituan, eine der größten Firmen des Landes, Kaffee zu verkaufen. Arbeitszeiten und Preis waren wie üblich vorab vereinbart. Im Hotel am Vorabend des Shootings erreicht mich die Anfrage, ob ich mal eben kurz zum Fitting ins benachbarte Studio kommen könnte. Mache ich natürlich, klar, man ist ja höflich. Das kurze Fitting dauerte fast drei Stunden, weil man mir die Haare gleich mitfärbte, was man normalerweise in Rechnung stellen kann, aber egal, ich will nicht kleinlich sein.
Am nächsten Tag, unmittelbar vor dem Shooting, erreicht mich die Nachricht, dass man mich heute nur halb so lang wie vereinbart benötigen würde, da wir am Vorabend ja alles so gut vorbereitet hatten, und ob wir die Gage reduzieren könnten. Da bist du erstmal sprachlos. Natürlich lehne ich ab, drohe mit sofortigem Drehabbruch, natürlich lenken sie ein, aber dennoch ist der Tag gelaufen. Und wenn der Regisseur mich dann, während des Drehs fragt, wo denn die gute Laune aus dem Casting-Video hin sei, dann möchte ich ihn am liebsten erschlagen.
China ist die bestmögliche Zen-Therapie
Ich war kurz vor dem Jahresende von Range Rover gebucht, um einen Offroader auf Schnee und Eis zu testen. Es gab Vorgespräche, Castings und Briefings. Ich flog einmal quer durchs Land ins minus 18 Grad kalte Changchun, um dann vor Ort festzustellen, dass ich für Audi und nicht für Range Rover arbeiten würde. Auf Nachfrage bei meiner Agentin meinte diese, Audi hätte mehr geboten und sie hätte mich einfach umgebucht. Ohne mich zu fragen oder auch nur zu informieren. Warum auch? Ist nur irgendein blöder Job, für den es Geld gibt, also wen interessiert’s?
Meine russische Kollegin Elena wusste nicht mal, dass es um Autos ging, wie sie mir erklärte. Sie würde nie nachfragen. Nach 15 Jahren in China hätte sie sich das abgewöhnt. Ob sie Autos, Putzroboter oder Yogamatten bewirbt, sei ihr egal, solange der Preis stimmt. In Konsequenz ist Elena Zen. Daran arbeite ich noch, aber ich mache Fortschritte. Ich rege mich viel weniger auf als früher. Einfach, weil ich gelernt habe, nicht alles persönlich zu nehmen. Sie meinen es nicht böse, es ist einfach Teil ihrer DNA. Insofern ist China eine gute Therapie. Oder um es mit Sinatras Worten zu sagen: »If you can make it there, you can make it anywhere…«

„Danke für deine harte Arbeit!“
Was ein Adjektiv über die chinesische Arbeitsmoral aussagt.



»Wie ein Junkie an der Nadel!«
Baby Schimmerlos wird 80. Eine Verbeugung.


Advent, Advent, die Wampe brennt
Warum man genau jetzt fasten sollte.








freut mich, dass du Jobs hast und es dir gut geht. Wie immer nette und interessante Berichte.
Bleib senkrecht
schöne Grüße
Wolfgang