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Advent, Advent, die Wampe brennt

Advent, Advent, ein Kilo brennt. Erst eins, dann zwei, dann drei, dann vier, dann steht die fette Weihnachtswampe vor der Tür. Es gibt wohl keine andere Jahreszeit, in der das Fasten mehr Sinn macht als in der Adventszeit. Man verliert nicht nur die regulären Pfunde, sondern auch noch jene, die man sich in der kalorienreichen Vorweihnachtszeit üblicherweise anfuttern würde.

Antizyklisch ist ein Motto, mit dem ich in vielen Lebensbereichen gut fahre. So auch beim Fasten. Ich faste zweimal im Jahr. Einmal in der Klinik von Dr. Adrian Schulte am Bodensee und einmal zu Hause nach Anleitung seines Darm-Bestsellers „Alles Scheiße!?“. Als Gesundheitsapostel habe ich viele Therapiemethoden im Laufe meines Lebens ausprobiert, aber nichts hat mein Leben so nachhaltig verändert, wie der tägliche Blick in die Kloschüssel. Ja, man lernt beim Fasten so einiges über Konsistenz, Farbgebung und Duftnoten. Letztere sollte es idealerweise gar nicht geben, denn das simpelste Barometer für einen gesunden Darm und somit einen gesunden Organismus besagt, dass der Stuhlgang geruchsfrei sein sollte. Wenn’s stinkt, dann stimmt was nicht!

Mayr oder Buchinger?

Es gibt zwei traditionelle Ansätze beim Fasten: Die Buchinger-Methode, benannt nach dem deutschen Naturheilkundler Otto Buchinger (1878-1966), bei der man nur flüssige Nahrung zu sich nimmt. Die Mayr-Methode, benannt nach dem österreichischen Kurarzt Franz Xaver Mayr (1875-1965), bei der man klassischerweise alte Semmeln kaut. Ich habe mit beiden Varianten gute Erfahrungen gemacht. Es fühlt sich beides wie eine Frischzellenkur für Körper, Geist und Seele an. Gifte werden ausgeschieden, die Leber kann sich erholen, und der Geist ist herrlich nüchtern und entspannt. Auch ein idealer Zustand, um wichtige Entscheidungen zu treffen, die nicht durch Emotionen getrübt sind. Mit Buchinger war ich schneller im Fluss und habe mehr Pfunde verloren, allerdings kamen diese schneller zurück, da das Konzept der flüssigen Ernährung nicht in den Alltag zu übertragen ist. Das ist bei Mayr anders, da der Fokus auf dem Kauen liegt und das Konzept somit sehr wohl auf den Alltag zu übertragen ist und der Erfolg solch einer Fastenkur nachhaltiger ist. Ich favorisiere daher die F.X. Mayr-Methode.

„Der Tod sitzt im Darm!“

Als Metzgersohn hat Franz Xaver Mayr bestimmt schon als Kind mitbekommen, dass falsche Ernährung zum Himmel stinken kann. Wurstwaren sind einfach Gift für den Darm. Der nächste Darm-Impuls kam als Medizinstudent, als er während eines Praktikums in einer Grazer Kuranstalt (1899) Patienten massieren musste, die unter starker Stuhlverstopfung litten. Als er schließlich 1901 promovierte, waren die Weichen gestellt. Auf all seinen Stationen galt fortan seine Aufmerksamkeit dem Darm seiner Patienten. Er beobachtete, dass sie alle viel zu schnell aßen. Sie würgten ihr Essen runter, ohne richtig zu kauen, und überforderten somit ihren Verdauungsapparat. Er folgerte daraus, dass viele chronische Erkrankungen ihren Ursprung im Verdauungssystem haben. Mayr prägte den Satz „Der Tod sitzt im Darm“ und sah in der Darmgesundheit den Schlüssel zur allgemeinen Gesundheit. 1915 wurde die Mayr-Kur, auch Milchsemmel-Kur genannt, geboren. Natürlich war Mayr damals umstritten, wie so viele, die gegen den Strom schwimmen. Sein für damalige Zeiten biblisches Alter von 90 Jahren spricht jedoch dafür, dass er einiges richtig gemacht hat.

Die F.X. Mayr-Kur

Die Milch-Semmel-Diät wird heute in Abwandlung durchgeführt

  • Als Kautrainer gibt es zumeist alte Dinkelsemmeln, glutenfreies Brot, oder Nüsse mit Schafs- oder Kokos-Joghurt
  • Individuelle Adaptionen mit gedünstetem Gemüse/Ei/Porridge sind möglich
  • Jeder winzige Bissen muss 30–40 Mal gekaut werden
  • Während der Kaumeditation wird nicht gesprochen
  • Es gibt eine Mahlzeit am Morgen und eine am Mittag
  • Zwischen den Mahlzeiten sollten fünf Stunden liegen
  • Abends wird nur Brühe gereicht

Jeden Morgen: Bittersalz

  • Ein Glas Wasser mit Bittersalz (maximal 3 Gramm) auf nüchternen Magen
  • Das wirkt sanft spülend und entlastet den Darm.

Dazu kommen:

  • Spezielle Bauchmassagen und Fußbäder
  • Wellness-Schicknack je nach Bedarf
  • Viel trinken (Wasser, Kräutertee)
  • Ruhe, Spaziergänge, Sauna
  • Sport nur reduziert, in Überlingen wird Höhentraining mit Sauerstoffmaske angeboten
  • Digital Detox schadet nicht

Wie ist die Kur aufgebaut?

  1. Teefasten (optional): Nur Tee und Wasser für 2–3 Tage beschleunigen den Einstieg in den Fastenmodus.
  2. Kautrainer-Phase: 1–2 Wochen. (Man hat spätestens ab dem dritten Tag keinen Hunger mehr.)
  3. Kostaufbau: Langsame Rückkehr zu normaler Kost mit gedünstetem Gemüse, Kartoffeln, milden Lebensmitteln

Wie lange dauert die Kur?

Die klassische Mayr-Kur dauert 3–4 Wochen. Wer die Zeit nicht hat, dem empfehle ich zumindest zehn Tage. Man kann eine Woche stationär absolvieren und das Programm dann zu Hause ausschleichen. Da der Nahrungsverzicht nach ein paar Tagen sehr leichtfällt, kann man die Darmkur auch beliebig lang ausdehnen. Das Resultat nach drei Wochen ist die Mühe wert.

Was bringt die Kur?

  • Entgiftung und Darmreinigung
  • Gewichtsabnahme
  • Mehr Energie
  • Bessere Verdauung
  • Erholung des gesamten Organismus
  • Training für ein nachhaltig gesünderes Essverhalten
  • Lebensmittelkunde: Was ist gut für mich und was nicht?
  • Diverse Lebensmittelunverträglichkeiten und Hautirritationen können sich dadurch erledigen.
  • Seelische Reinigung und emotionale Entschleunigung

Fasten macht süchtig!

Auffällig ist, dass Faster allesamt Wiederholungstäter sind. Wer einmal gemerkt hat, wie leicht es dem Körper fällt, auf Nahrung zu verzichten, und wie gut es ihm tut, der wird das immer wieder tun. Die familiären Atmosphären in den Fastenkliniken sprechen Bände. In meiner favorisierten Klinik in Überlingen am Bodensee kennt sich der harte Patienten-Kern seit 20 Jahren. Allesamt Stammgäste. Sowohl Aliya aus Kairo, Amy aus Shanghai, Pedro aus Barcelona als auch Nils aus Hamburg. Da der Bestseller des Klinikchefs Adrian Schulte in acht Sprachen übersetzt wurde, zieht das Haus Klientel aus aller Welt an. Speziell auf meine chinesischen Freunde wirkt der Bodensee wie das reinste Paradies. So etwas Idyllisches und Sauberes und vor allem Menschenleeres ist in China schwer zu finden. Gut, ich gebe zu, früher hätte ich hier nicht mal tot über dem Zaun hängen wollen, aber im Fastenmodus kann ich dieses schöne Fleckchen sehr wohl genießen. Und wem das dennoch zu langweilig ist, der kann ja gerne zum Promi-Hotspot Lanserhof an den Tegernsee ausweichen. Dort teilt man sich dann Wasser und Brot mit Elyas M‘Barek & Co. Allerdings zahlt man dort 10.000 anstatt 1.000 Euro die Woche. Und was in deren Kloschüsseln schwimmt, soll angeblich auch nicht besser aussehen.

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