Wer bezahlt für Nepal?

Die Bilder sind brutal und bleiben hängen. Eine monsterhafte Welle, die durch ein malerisches Tal fegt und alles zerstört. Menschen, die um ihr Leben rennen. Ameisen, die keine Chance gegen die 200 Millionen Kubikmeter Material aus Felsen, Eis, Schlamm und Wasser haben, die sie überrollen. Ihre Leichen werden zum Teil in 200 Kilometer Entfernung gefunden. Der Klimawandel hat zugeschlagen.

 

Wir waren alle live dabei, dank vieler Hobbyfilmer. Ich frage mich, wie man angesichts solch einer lebensbedrohlichen Gefahr das Handy zücken kann, anstatt sich und andere in Sicherheit zu bringen. Bei einigen Aufnahmen ist ganz klar unterlassene Hilfeleistung zu erkennen. Bei anderen, dass der Kameramann (ich sah keine Frauen mit Handy filmen) seinen filmischen Einsatz mit dem Leben bezahlt hat. Es wurde also nicht nur gefilmt, sondern auch live gestreamt. Umso perverser, als dass es sich bei den Nepalesen eigentlich um ein naturverbundenes Volk handelt, das an einem der schönsten Flecken der Welt wohnt. Man sollte glauben, dass Menschen, die so ursprünglich leben, bessere Überlebensinstinkte haben. Die freilebende Tierwelt hat sich anscheinend rechtzeitig in Sicherheit gebracht. Lediglich von einer Hühnerfarm, ein paar Kühen und fünf toten Elefanten ist bisher die Rede. Tiere haben ein Gespür für Gefahr. Naturvölker eigentlich auch. Aber offensichtlich hat die Digitalisierung deren Antennen abgestumpft. 

Der Breitbandgott kennt keine Gnade

Ich war ursprünglich auch mal ein Digital-Junkie. Das hat sich durch meine China-Aufenthalte geändert. Ich finde es nur schwer erträglich, zu erleben, was die Smartphones mit den Menschen um mich herum anstellen. Ich bin von unzähligen emotionalen Autisten umgeben, die keine gesunden sozialen Umgangsformen pflegen. Ferner bin ich vom guten Willen des Breitbandgottes abhängig, denn ich kann ohne Internet keine Haustür öffnen, kein Moped starten, keine öffentlichen Verkehrsmittel nutzen, kein Taxi fahren, kein Essen bestellen usw. Sprich, ich bin abhängig von meinem iPhone. Und Abhängigkeit ist das Gegenteil von Freiheit.

Über 1,8 Milliarden Mobilfunkanschlüsse zählt die Volksrepublik. 108 Millionen sind es in Deutschland. 32 Millionen sind es in Nepal. Sprich, alle drei Länder haben mehr Handys als Einwohner. Knapp 80 Millionen Tonnen Elektroschrott resultieren daraus jährlich. Wobei nur 10 bis 15 % recycelt werden. Der Rest vergammelt beim Verbraucher zu Hause. In China lagern circa 60 Milliarden ungenutzte Handys in den Haushalten. In Deutschland sind es 195 Millionen.

Handys machen mehr Dreck als Flugzeuge

Die Korrelation zwischen Elektroschrott und  Klimaerwärmung ist nicht zu verleugnen. Schon der CO₂‑Abdruck eines iPhones beläuft sich auf circa 100 kg. Der größte Klimakiller ist die Produktion der Geräte. Hinzu kommen Umweltschäden beim Rohstoffabbau von seltenen Erden, sowie globale Lieferketten. Handys sind zwar für weniger als 4 % des Klimawandels verantwortlich, aber das ist immerhin noch mehr als der Müll, den der weltweite Flugverkehr verursacht. Nach Energieerzeugung und Industrie, ist die größte Dreckschleuder noch immer die Landwirtschaft. Genauer das Methangas, das die Kühe ausscheiden. Das Treibhausgas ist bis zu 29-mal schädlicher als CO₂. Eine einzelne Kuh furzt und rülpst jährlich bis zu 130 Kilo Methangas und ist somit für fast 20 % der weltweiten Treibhausgasemissionen verantwortlich. Das ist Grundwissen in jeder deutschen Schulausbildung. Wenn ich das erwachsenen Freunden in China erzähle, denken sie, ich verarsche sie.

Verflucht und zugepisst  

Ich war nie ein Umweltaktivist, immer eher ein moderater Grüner, aber seit dem 26. August hat sich das geändert. Einfach, weil ich die Bilder nicht aus meinem Kopf bekomme. Sie haben sich festgebrannt. Der Tod rollte durchs Paradies, und ich bin mitschuldig, wie wir alle, die wir dem Klimawandel nicht energisch genug entgegengetreten sind. 90.000 Obdachlose und 5.000 Tote haben wir zu verantworten. Die Sachschäden belaufen sich auf circa 2,2 Milliarden Euro. Das entspricht der Summe, die der amerikanische Präsident in der ersten Hälfte seiner zweiten Amtszeit mit Bitcoin-Deals verdient hat.

Apropos Pisser: Forscher in Kathmandu haben herausgefunden, dass der Urin der vielen Bergsteiger das Gletschereis am Mount Everest zum Schmelzen bringt. Weil sie in großer Höhe viel trinken müssen, produziert jeder Bergsteiger während einer 50-tägigen Expedition rund 3 Liter Urin pro Tag. Der hat eine Temperatur von 37 Grad. Insgesamt kämen so rund 330.000 Liter zusammen, die pro Saison rund 154 Tonnen Eis zum Schmelzen bringen. Rechnet man die Tausenden Liter Brennstoff hinzu, die am Everest zum Heizen und Kochen verwendet werden, steigt die geschätzte Schmelzmenge auf 2492 Tonnen. Was soll man dazu sagen, außer: „Verpisst euch!“

Vielleicht sollten die fünf größten Schmutzfinke die Rechnung bezahlen?

Rang

Land

Emissionen (2025)

Anteil an den weltweiten Emissionen

1

China

17,4 Milliarden Tonnen CO₂e

ca. 29 %

2

USA

7,0 Milliarden Tonnen CO₂e

ca. 12 %

3

Indien

4,22 Milliarden Tonnen CO₂e

ca. 7 %

4

Russland

3,2 Milliarden Tonnen CO₂e

ca. 5 %

5

Indonesien

1,55 Milliarden Tonnen CO₂e

ca. 2,6 %

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