
„Du, meine Periode kommt nicht mehr.“
„Echt jetzt?“
„Ja, hat einfach so vor einem Jahr ausgesetzt.“
„Echt jetzt?“
„Ja, und seitdem habe ich ständig Nervenschmerzen. Ich war bei so vielen Ärzten, aber keiner konnte mir helfen.“
„Oh, das tut mir leid.“
„Was kann man da nur tun?“
„Ähm, ich, ähm, keine Ahnung.“
„Vielleicht sollte ich es mal mit Akupunktur probieren?“
„Ähm ja, vielleicht.“
„Das soll helfen, habe ich gehört.“
„Keine Ahnung, ich habe nicht so viel Erfahrung mit Frauenbeschwerden.“
„Aber ist doch ungerecht, dass ich mit 45 schon in die Menopause geschickt werde, während meine sechs älteren Schwestern alle weiterhin fruchtbar sind, oder?“
„Ähm, ja, wirklich ungerecht.“
„Brüste haben sie auch alle viel mehr als ich. Ich habe gar keine, schau dir das an. Schlimm, oder?“
„Ähm, nein, ähm, gar nicht, schaut super aus.“
„Ja, ja, schon gut. Ich habe keine Titten, aber dafür mehr Hirn. Ist ja auch was wert, oder?“
„Ja, unbedingt.“
Die Dame, die sich mir da binnen weniger Minuten offenbarte, hatte ich noch nie zuvor gesehen. Wir lagen auf zwei Massageliegen nebeneinander am Strand, und als unsere beiden Behandlungen 90 Minuten später zu Ende waren, wusste ich, bis auf ihren Namen, einfach alles von ihr, was ich mich nie zu fragen getraut hätte, oder auch gar nicht wissen wollte.

Das Periodensystem
Die junge Dame, der ich im Gym ein Kompliment machte, ob ihres perfekt trainierten Körpers, freute sich zwar über die Blumen, war aber selbst gar nicht zufrieden mit ihren Formen. „Ich stehe kurz vor meiner Periode. Da blähe ich immer so auf. Furchtbar. Du musst mich danach sehen, dann ist das alles viel besser definiert.“ Meine Nachbarin in Joggingklamotten im Aufzug getroffen und sie gefragt, ob wir zusammenlaufen sollen. „Nein, du, habe meine Tage, das ist dann immer so schmerzhaft.“ Am Pool die nächste Nachbarin: „Hey Armin, ich kann heute nicht ins Wasser, ich …“ „Ist gut, nicht weiterreden, ich weiß Bescheid.“
Wenn man die Zyklen der halben Nachbarschaft kennt
Meine Vermieterin kommt nicht zum vereinbarten Termin und textet mir: „Wird etwas später, habe meine Periode bekommen, sorry.“ Ja, sogar meine Putzfrau hat mir abgesagt, weil sie sich nicht wohlfühlte. Ich habe nicht nachgefragt, aber habe mir das Datum vorsorglich mal im Kalender eingetragen. Gefühlt kenne ich die Menstruationszyklen der halben Nachbarschaft. Dabei war ich mit keiner der Damen intim, geschweige denn habe ich sie danach gefragt. Ich schwör. Welcher Mann will sowas schon wissen?
Wenn man sich plötzlich als Sexobjekt fühlt
Ja, die hiesige Damenwelt tickt etwas anders als Zuhause. Sie sind erschreckend offen und unverblümt. Zumindest mir gegenüber. Ich habe sogar zwei Stalkerinnen in der Nachbarschaft. Gut, die oder auch das eine ist ein Lady Boy und somit vielleicht nicht repräsentativ, aber die andere ist eine waschechte Thai. Und sogar unberührt, wie sie mich mit ihren dreieinhalb Brocken Englisch wissen ließ. Sie war nie verheiratet, hat keine Kinder, ist 1,50 Meter klein und 62 Jahre jung – sie passt somit perfekt zu mir, wie sie mir selbstbewusst erklärte. Wann immer ich nicht aufpasse, steht sie plötzlich hinter mir und kneift mir in den Hintern. So fühlt man sich also als Sexobjekt.

„Es wird laut und schmutzig…“
Die 21-jährige Französischstudentin, die mich beim Shoppen im COS Store ansprach, meinte, ich würde so französisch aussehen und sie liebe Frankreich und sie hätte so gerne jemanden, mit dem sie die Sprache üben könne. Natürlich war ich Franzose, klar. Die Franzosenkarte kann man ja immer ausspielen, die funktioniert weltweit, vor allem bei sehr jungen Damen, die damit irgendwas Pseudoromantisches assoziieren. Bei einem Gläschen Wein im Bistro nebenan, zeigte sich dann, dass ihre Vorliebe für Franzosen keine Grenzen kennt.
„Eines gleich vorweg: Ich habe gerade meine Tage.“
„Ähm, tatsächlich?“
„Ja, aber das macht nichts, wir können trotzdem Sex haben.“
„Gut zu wissen.“
„Klar, kein Problem. Allerdings nicht bei mir im Studentenwohnheim, denn das ist immer so eine Riesensauerei bei mir.“
„Tatsächlich?“
„Ja, und ich schreie immer so laut. Also lass uns zu dir gehen, ok?“
„Ähm, danke für das nette Angebot, aber ich muss dir leider gestehen, dass ich doch kein Franzose bin. Sorry.“

„Soll ich mir neue Schamlippen machen lassen?“
Die Dame am Pool des Mandarin Oriental, dem elegantesten Spa der Stadt, war 42 Jahre alt, sah aus wie 32 und war von tadelloser Schönheit, wie ich fand. Ihr Ehemann, ein Engländer, fand das wohl nicht. Deswegen war sie von Chiang Mai angereist, um sich einer kleinen Schönheitskorrektur zu unterziehen.
„Mein Mann begehrt mich nicht mehr. Sexuell ist die Luft raus.“
„Oh, das tut mir leid.“
„Ich will mir daher die Schamlippen verkleinern lassen.“
„Wie bitte, was?“
„Er weiß nichts davon, ich werde ihn damit überraschen.“
„Du willst deinen Mann mit neuen Schamlippen überraschen?“
„Ja, ich denke, das wird unserem Liebesleben guttun.“
„Echt jetzt?“
„Klar, Männer stehen auf kleine Vaginas. Stimmt doch, oder etwa nicht?“
„Ich habe keine Ahnung von Vaginas, ich bin schwul.“
Engel bekommen keinen Durchfall
Thailand stürzte mich in mittelprächtige Sinnkrisen. Warum nur zog ich diese ganzen Patientinnen an? Gut, es ist keine ganz neue Erfahrung, dass Frauen mir gelegentlich ihr Herz ausschütten, aber dennoch nicht in diesem Ausmaß. Es stößt mir in Thailand umso mehr auf, als dass um mich herum so viele Westmänner von veritablen Schönheitsköniginnen begleitet werden. Und diese Beautys erwecken nicht den Eindruck, als würden sie ihre Männer mit so ’nem Kram belästigen. Ja, manche sind so engelsgleich, die bekommen wahrscheinlich gar keine Regelblutung. Durchfall erst recht nicht. Hatte ich erwähnt, dass Diarrhö ebenfalls populäres Konversationsthema ist? Zumindest im Umgang mit mir.

Wenn man nackig nach echter Liebe sucht
Ja, die Verlockungen hierzulande sind groß, auch wenn man nicht als Liebeshungriger angereist ist. Es gibt viele Mischpaare, die sehr glücklich scheinen. Zumindest von außen betrachtet. Dem Vernehmen nach, sorgen thailändische Frauen sehr gut für ihre Männer, solange diese treu ergeben sind. (man verzeihe mir bitte derlei rassistische Verallgemeinerungen) Seitensprünge werden wohl nicht so gerne toleriert. Ich habe mehrere Frauen gesprochen, die ihre Männer schon wegen kleinsten Anlässen in die Wüste geschickt haben. Der langjährige Freund meiner Nachbarin war nur übers Wochenende zum Junggesellenabschied nach Pattaya (die Assi-Partymeile des Landes) gefahren. Als er zurückkam, standen seine Koffer vor der Tür.
Dabei sind sie beim Kennenlernen gar nicht prüde. Auch in den lokalen Dating Portale geizen sie nicht mit ihren Reizen. Es steht zwar gerne NO ONS und NO FWB in ihren Profilen, sie sind auf der Suche nach „seriöser Beziehung“ oder „echter Liebe“, aber ihre Bilder sprechen eine andere Sprache – man könnte damit auch Erotikseiten schmücken.

Wenn Pornostars den Rollstuhl schieben
Ja, sexy zu sein, ist wichtig hierzulande. Mit einem körperbezogenen Kompliment punktet man mehr als mit irgendwelchem Süßholzgeraspel. Die erste Frage gilt immer dem Aufenthaltsstatus. „Im Urlaub, oder wohnst du hier?“ Gefolgt von: „Alleine?“ Danach wird, falls Interesse besteht, sich gerne gekümmert oder auch bemüht. Mein Essen wird in mundgerechte Häppchen zerteilt, der Fisch filetiert, mit der Serviette werden mir Essensreste vom Mund gewischt, ja, wenn ich es zulassen würde, würde man mich sogar füttern.
Betreutes Vögeln in Hua Hin
Wahrscheinlich leben deswegen so viele ausländische Senioren hier. Ich war über Silvester ins Rentnermekka nach Hua Hin gereist, ein kleiner Küstenort, drei Autostunden von Bangkok. Hua Hin heißt übersetzt so viel wie „Betreutes Vögeln“, also nicht nach Duden, sondern eher so frei übersetzt. Erschien mir passend, nachdem ich dort tatsächlich Männer im Rollstuhl gesehen habe, die von Pornodarstellerinnen durchs Einkaufszentrum geschoben wurden. Ja, da glaubt man, man hat schon alles gesehen und dann so was.

„Deutsches Frau nicht so gut für dich!“
Aber wer weiß, was mich im Alter erwartet? Zumindest keine deutsche Frau, wie mir der handlesende Mönch im Wat Pho Tempel versicherte: „Die Frauen in deinem Land sind nicht so gut für dich. Du brauchst Frau aus einem anderen, weit entfernten Land. Nur eine Frau aus einem anderen Kulturkreis wird in der Lage sein, dich glücklich zu machen.“ Als ich den Tempel verlasse, erreicht mich die Textnachricht eines One-Night-Stands vom letzten Wochenende:
„Armin, kannst du bitte kommen?“
„Warum?“
„Mir geht’s so schlecht.“
„Was fehlt dir denn?“
„Ich habe meine Tage bekommen. Ich habe solche Krämpfe…“


Achtung, Vatertag!
Heute bleibt der Verstand im Haus, wir führen den Bollerwagen aus.

„Kinder? Nein, danke!“
Immer weniger Chinesinnen wollen Mutter werden.

„Danke für deine harte Arbeit!“
Was ein Adjektiv über die chinesische Arbeitsmoral aussagt.


China: Die Zen-Therapie
Die Kunst, nichts persönlich zu nehmen.








Armin mein lieber, ein gesundes neues Jahr wünsche ich Dir. Ich war gerade 2 Monate in Kolumbien und bin nun zurück in Berlin. So wie es hier aussieht werde ich wohl schnell wieder in die Sonne und woanders überwintern wollen. Wahrscheinlich in Spanien und einen spanisch Kurs einbauen.
Deinen Text gerade gelesen!
Lass mal FaceTimen die Tage!
Best,
Bruno
Hey Bruno, schön von Dir zu hören. Kolumbien? Auch nicht schlecht. Und ja, meld Dich gerne mal die Tage. LG Armin