
Ich war der deutsche Bachelor im österreichischen Fernsehen. Im Auftrag des Senders ATV (gehört zu Joyn/ProSiebenSat.1) suchte ich im Dating-Format „Reif für die Liebe“ nach einer Partnerin. Ausgestrahlt wurden die 14 Folgen vom 18. Februar bis zum 20. Mai 2026. Alle Folgen sind im Streaming auf Joyn abrufbar.
In Ermangelung eines geeigneten österreichischen Kandidaten, hatte meine Linzer Model-Agentur Visage mich ins Spiel gebracht, da sie um meine Österreich-Affinität und meinen Tiroler Zweitwohnsitz wussten. Nach einem etwas längeren Casting-Prozess wurde ich schließlich gebucht. Es war somit ein bezahlter Job, aber dennoch kein Fake, da ich tatsächlich Single war und das gerne ändern wollte.

„Sei einfach du!“
Nach einer Werbekampagne, in der ich der österreichischen Damenwelt angepriesen wurde, hatten es 18 Bewerberinnen in die Vorauswahl der Produktion geschafft. Unter ihnen musste ich im Rahmen eines Speeddatings in der Wiener Hütte meine acht Favoritinnen auswählen, mit denen ich infolge eine Woche in einem steirischen Luxus-Chalet (Bergresort Hauser Kaibling) verbringen sollte. Jeweils drei Minuten wurden uns zum Kennenlernen zugestanden. Klingt knapp, war aber angesichts einiger schräger Kandidatinnen keine Minute zu kurz. Es gab kein Skript. Weder fürs Speeddating noch für die Sendung. Und da ich mich für derlei Formate zuvor nie interessiert hatte, nicht mal das Dschungelcamp kannte, wusste ich nicht, was da genau auf mich zukommen würde. Meine einzige Regieanweisung lautete: „Sei einfach du!“
Schockverliebte Frauen sind nicht schmeichelhaft
Das war ich beim Speeddating auch. Es sollte der schönste Tag der Staffel bleiben. Ich hatte ein paar sehr amüsante Begegnungen, bei denen ich sofort wusste: Die nehme ich mit. Andere wiederum erschreckten mich mit ihrem Ehrgeiz. „Du suchst also ein zartes Rehlein? Ich denke, du brauchst eher ’ne Hirschkuh wie mich, die dir ordentlich Zunder gibt.“ Die Hirschkuh sollte ein paar Stunden später weinen wie ein Rehlein. Als ich die Namen meiner Favoritinnen nach einem langen Drehtag verkündete, haben sich hinter den Kulissen nämlich ein paar Dramen abgespielt, die mich zum ersten Mal erahnen ließen, worauf ich mich da eingelassen hatte. Schockverliebte Frauen, die mich nur aus einem Video kannten, empfand ich nicht als schmeichelhaft, sondern eher als beängstigend.
Wenn das Horoskop Liebe prophezeit
»Es könnte etwas passieren, das ihrem Leben eine positive Wende gibt. Eine neue Liebe?« Mein Horoskop in der Kronenzeitung klang vielversprechend, als ich mit der Bahn in Schladming ankam. Ich hatte zwar Zweifel gehabt, dass ich mich in einer Fernsehshow verlieben würde, aber warum eigentlich nicht? Das Schicksal hatte meinem Leben schon einige unerwartete Wendungen beschert. Ich war daher offen für alles. Zumal ich ja nichts zu verlieren hatte. „Alles easy, Armin. Du sollst einfach nur Spaß haben und ganz natürlich bleiben.“
„Papa, natürlich musst du mit denen schlafen!“
Ich staunte nicht wenig, als ich mein neues Zuhause bezog. Dass ich mit den Damen zusammen in einem Selbstversorgerhaus unter einem Dach wohnen würde, hatte man versäumt, mir im Vorfeld mitzuteilen. Da ich die Drama-Queens von der Wiener Hütte noch immer vor meinem inneren Auge sah, wurde mir etwas mulmig zumute, und ich kontrollierte als Erstes das Sicherheitsschloss meiner Schlafzimmertür. Was auch immer hier passieren würde, Sex vor der Kamera wollte ich unbedingt ausklammern. Mein Sohn lachte mich aus, als ich ihm davon am Telefon berichtete. „Der Golden Bachelor hat auf RTL mit allen seinen Kandidatinnen geschlafen. Das erwarten die von dir bestimmt auch.“ Die WG-Situation war somit ein mittelprächtiger Schock für mich. Wer weiß, was man mir noch alles verschwiegen hatte? Ich würde ein paar Grenzen ziehen müssen. „Einfach du sein“ bröckelte.

Liebe soll durch den Magen gehen
Die Liste mit meinen Leibgerichten, um die ich Wochen vorher gebeten worden war, würde daher wohl nicht von einem steirischen Haubenkoch umgesetzt werden, wie ich mir das vorgestellt hatte, sondern von meinen Mitbewohnerinnen. Mir schwante Übles, zumal im selben Horoskop unter „Tipp der Sterne“ geschrieben stand: „Steigen Sie ihrem Magen zuliebe für eine Weile auf Trennkost um.“
Wie gerne wäre ich der Empfehlung gefolgt, zumal ich gerade eine Mayr-Kur am Bodensee absolviert hatte, aber ich musste natürlich anstandshalber essen, was die Damen mir servierten. Und das hatte weder mit Trennkost noch mit meinen Leibgerichten viel zu tun. Als ich zum ersten Mittagessen erschien und mir die Köchin stolz erklärte, dass sie das Risotto zwei Stunden lang liebevoll gerührt hätte und es jetzt bestimmt gut sei, drehte sich mir der Magen um. Genau 20 Minuten braucht ein Risotto. Nach 25 Minuten ist es bereits verkocht. Und nach zwei Stunden, das weiß ich jetzt, ist es eine zementartige Paste, mit der man Kacheln im Badezimmer festkleben kann.
Liebe soll nicht auf den Magen gehen
Wie man einen Schweinebraten zubereitet, muss man nicht unbedingt wissen, aber dass man ein rohes und unbehandeltes Stück Schweinefleisch nicht in einem Nudelkochtopf in den Backofen schiebt und hofft, dass ein würziger Krustenbraten irgendwann wieder herauskommt, sollte eigentlich selbsterklärend sein. Genauso wie Ingwer und Kurkuma, die ich im Kühlschrank für mein Immunsystem deponiert hatte, im Essen zumeist nichts zu suchen haben. „Wenn das hier herumliegt, mag Armin das anscheinend – komm, wir hauen das einfach überall mit rein. Passt bestimmt auch zum Kaiserschmarrn.“
Für einen Foodie wie mich, war es schwer zu ertragen, dass keine der Damen irgendeinen Bezug zum Thema Ernährung hatte. Ich koche gerne, Essen hat für mich mit Lust und Sinnlichkeit zu tun. Ich hatte immer verfressene Partnerinnen. Nicht mal das waren sie. Obgleich allesamt eher kräftig gebaut, aßen sie nur wie die Spatzen und gaben vor, dass sie nie mehr essen würden. Womöglich genierten sie sich wegen der Kameras, keine Ahnung, ich konnte es nicht ergründen. Aber wer weiß, was sie heimlich in ihren Zimmern gegessen haben? Ich habe in der Woche bestimmt zwei Dutzend Müsliriegel in meinem Zimmer verdrückt, um meine Kurkuma-Überreizung auszubalancieren und nicht zu verhungern. Und da Liebe durch den Magen geht, hatten die Damen zunehmend schlechte Karten bei mir.

Kann man vor der Kamera Gefühle entwickeln?
Teil des Konzepts war es, dass ich jeden Vormittag zwei Damen zu einem Action-Date bitte und am Nachmittag eine weitere zum intimen Romantik-Date. Da waren schöne Inszenierungen dabei, allerdings bleiben Spaß und Romantik irgendwann auf der Strecke, wenn du jede Einstellung fünfmal wiederholen musst. „Armin, das war ein echt schöner Moment. Den brauchen wir bitte noch einmal aus einem anderen Kamerawinkel.“ Und wenn alle Winkel eingefangen waren, dann das Gleiche noch einmal mit der Drohne. Es ist ermüdend und nervig. Zumal unsere WG ja auch verkabelt war und wir 18 Stunden am Tag gefilmt wurden. Da bleibt nichts verborgen. Nicht mal der Toilettengang. Irgendwann vergisst man dann auch mal, das Mikro beim Kacken auszuschalten. Das 60-köpfige Produktionsteam hat mit seinen hundert Kameras und Mikrofonen daher ein paar intime Einblicke gewonnen. Und immer wenn man gerade dabei ist, etwas Intimität aufzubauen, und es einem gelingt, die Kameras auszublenden, wird man über Lautsprecher daran erinnert, dass man falsch sitzt oder der Ton nicht passt. Man ist halt Teil einer Show. Wie soll man in solch einem Setting Gefühle für jemanden entwickeln?

„Was macht das mit dir?“
Dass ich beim Bogenschießen jeden Pfeil fünfmal abschießen musste, war eine Sache, aber wehe, ich hatte währenddessen meiner Begleitung etwas Nettes ins Ohr geflüstert. Das wurde infolgedessen in den Studiointerviewsituationen erneut dezidiert durchgekaut. „Warum hast du ihr das jetzt gesagt? Was ist so besonders an ihr? Wie hat sich der Moment angefühlt?“ Und wenn du im Haus später erneut erwähntest, wie schön doch der Ausflug mit ihr war, wurdest du sofort wieder zum Interview gerufen. „Mei, schon wieder, die magst aber wirklich, gell? Warum? Was hat die? Könnte das etwa schon die Finalistin sein?“ An einem schlechten Tag kam man so schnell auf ein Dutzend Interviews. Infolgedessen wurde ich immer vorsichtiger mit meinen Gefühlsbekundungen. Das „Einfach du sein“ bröckelte.
„Bitte sei weniger du!“
Als von mir nicht mehr genug kam, manipulierte man die Kandidatinnen, die plötzlich anfingen, mit fremdgesteuerten Anliegen auf mich zuzukommen. „Armin, können wir bitte mal reden?“ „Nein, ich habe keinen Bock“, hätte ich gerne oft gesagt. Konnte ich aber nicht. Ich habe daher ein paar qualvolle und sinnlose Gespräche über mich ergehen lassen, um die Dramaturgie der Produzenten voranzutreiben. Es hat infolgedessen ein wenig geknallt hinter den Kulissen, weil ich mit ein paar Fremdschäm-Inszenierungen nicht einverstanden war. Das „Einfach du sein“ war im letzten Drittel der Dreharbeiten schließlich auf der Strecke geblieben. Irgendwann ging es nur noch darum, sendefähigen Content abzuliefern. Es war halt doch nur eine Show. Und ich war die Ware Bachelor.

„Opa war alt und brauchte das Geld.“
Mein Resümee: Es war kein Spaziergang, sondern harte Arbeit. Wahrscheinlich sogar der anstrengendste Job meines Lebens. Ein Kandidat ohne Kameraerfahrung, hätte das nicht stemmen können. Es hat mich psychisch und physisch an meine Grenzen getrieben, und ich war danach vor allem eines: reif für Erholung! Es dauerte vier Wochen und bedurfte einiger therapeutischer Unterstützung, bis ich mich regeneriert hatte. Das hat natürlich niemanden interessiert. Aus den Augen, aus dem Sinn. Eine Danksagung vom Sender hat mich bis heute nicht erreicht.
Aber gut, aus Fehlern lernt man. Und ich habe viel dazugelernt. In verschiedenen Bereichen. Auch, besser auf mich zu achten und meine Grenzen zu wahren. Ich habe zudem ein paar nette Damen kennengelernt, auf die ich, aus Rücksicht auf deren Privatsphäre, nicht näher eingehen werde. Obgleich mir mit der Finalistin Charlotta kein dauerhaftes Liebesglück vergönnt war, so habe ich dennoch eine neue Liebe gefunden: die Steiermark! Eine herrliche Gegend, noch schöner als meine bisherige Wahlheimat Tirol. Und wenn mich meine Enkel später mal fragen, warum ich denn bei so einem Format mitgemacht habe, werde ich ihnen erklären: „Opa war alt und brauchte das Geld!“









Wirklich interessant liebe Grüße von Frank.
Hmmm…. im Haus Petra dürfte das wohl anders gelaufen sein. Auch ohne posttraumatische Belastungen die einer Supervision bedürfen.